Persönlichkeit des Gründers


Dominikus wurde um 1170 in Caleruega (Nordspanien) geboren. Seine Eltern, Felix Guzmán und die selige Johanna von Aza, bestimmten ihn schon in früher Jugend für das Priesteramt. Dominikus studierte in Palencia fünf oder sechs Jahre die Freien Künste und vier Jahre Theologie. Er widmete sich vor allem dem Studium und der Meditation der Hl. Schrift, was für sein konkretes Leben Konsequenzen hatte. Bei einer Hungersnot verkaufte er seine Bücher und all seine Habe, um mit dem Erlös eine Armenspeisung einzurichten. Hier zeigte sich schon einer seiner typischen Charakterzüge: das Mitleid mit den Armen. Etwa 1196 trat er in das Domkapitel zu Osma ein und empfing die Priesterweihe. Die Domherren von Osma führten damals ein klösterliches Gemeinschaftsleben nach der Augustinusregel. Ihre Aufgabe war die Feier der Liturgie an der Kathedrale.

 
Der Heilige Dominikus
Dominikus griff die Ideen der religiösen Armutsbewegung auf und gab ihr dank des weitsichtigen Papstes Innozenz III. einen Platz in der Kirche. Um der häretischen Bewegungen Herr zu werden und die Katholiken im Glauben zu unterweisen, fehlte es vor allem an geeigneten Predigern. Die Predigt war damals in erster Linie Aufgabe der Bischöfe, die aber oft dazu nicht in der Lage waren "wegen der Vielfalt ihrer Arbeiten, der Schwachheit ihres Leibes, der Angriffe ihrer Feinde, nicht zuletzt wegen ihres mangelnden Wissens", wie das 4. Laterankonzil 1215 feststellte. Dem Pfarrklerus fehlte erst recht die nötige theologische Bildung, um die Glaubenslehre gut darlegen und den Häresien entgegentreten zu können.


Der Heilige Dominikus
 
Auf dem Rückweg von der zweiten Reise in den Norden begegneten Bischof Diego und Dominikus im Juni 1206 in Montpellier drei Zisterziensern, die als päpstliche Legaten versucht hatten, die Irrgläubigen zu bekehren, und nun ihren Auftrag zurückgeben wollten, weil sie keinen Erfolg hatten. Während die Prediger der Katharer in großer Demut zu Fuß gingen und vom Bettel lebten, ritten die Legaten zu Pferd, von einem ansehnlichen Tross begleitet, und traten autoritär auf. Diego und Dominikus begannen, in einer neuen Weise zu predigen, die Legaten schlossen sich ihnen an: Wie Jesus und die Apostel zogen sie zu Fuß aus, ohne Geld und Silber, ihr Brot erbettelnd, durch Wort und Beispiel die Wahrheit des Evangeliums verkündend.

Diego starb bereits 1207, die Zisterzienser kehrten in ihre Abteien zurück. Dominikus blieb allein. Von Prouilhe bei Carcassonne aus, wo er 1207 ein Kloster für bekehrte weibliche "Vollkommene" gegründet hatte, setzte er in diesem von der Häresie verseuchten Gebiet vom Mittelmeer bis Toulouse seine Predigttätigkeit fort, "predigend, beschwörend, weinend". Mehrmals lehnte er das Bischofsamt ab, weil er in Demut predigen wollte. Die Wahrheit des Evangeliums sollte nicht wie bis dahin durch einen Prediger verkündet werden, der Macht und Ansehen besaß wie der Bischof oder der Pfarrer, sondern durch einen geistlichen Menschen, der nur jene Autorität besitzt, die ihm aus seiner kirchlichen Sendung und aus dem Leben nach dem Evangelium zukommt.

Was sollte Dominikus aber alleine ausrichten, zumal der Albigenserkreuzzug seit 1209 seine Tätigkeit erschwerte? Er sammelte Gefährten um sich. Im April 1215 gründete er in Toulouse einen Orden, der unerhörte Neuerungen aufwies: Dominikus und seine Brüder verkündeten die Wahrheit des Evangeliums in apostolischer Armut; an die Stelle der körperlichen Arbeit bei den Mönchen trat das Studium. Den gegenwärtigen und zukünftigen Mitgliedern wurde der Predigtauftrag erteilt, der sich gleich weit wie der des Bischofs erstreckte: das Evangelium Jesu Christi den Gläubigen und Ungläubigen verkünden. Die Übertragung des Predigtamtes an eine Gemeinschaft, selbst ihren zukünftigen Mitgliedern, auf Lebenszeit war etwas völlig Neues und führte eine Veränderung der kirchlichen Pastoral herbei.

 
Der Heilige Dominikus
Kurze Zeit später begleitete Dominikus Bischof Fulko zum 4. Laterankonzil, das Neugründungen von Orden verbot. Dominikus und seine Brüder übernahmen die Augustinusregel, die so allgemein gehalten war, dass man ihr bequem alle Konstitutionen hinzufügen konnte, die der neue Orden für seinen Verkündigungsauftrag brauchte. Sie beschlossen Satzungen für eine strenge Lebensform, die das liturgische, aszetische und kontemplative Leben regelten. Papst Honorius III. erkannte 1217 den universalen Charakter des Ordens an und empfahl die "Brüder des Predigordens", wie er sie erstmals nannte, allen Bischöfen. Im August 1217 sandte Dominikus seine Brüder aus, die meisten nach Paris, damit sie dort predigen, einen Konvent gründen und an der Universität, dem theologischen Zentrum des christlichen Abendlandes, studieren. Er selbst war ständig unterwegs und warb vornehmlich in den Universitätsstädten um neue Mitglieder für seinen Orden; u. a. gewann er seinen Nachfolger Jordanus von Sachsen, der an der Pariser Universität lehrte.


Der Heilige Dominikus
 
Das erste Generalkapitel fand 1220 in Bologna statt. Es erließ Satzungen über die Verkündigung und über die Ausbildung der Prediger. In jedem Konvent musste ein "Lektor" für die Ausbildung und Weiterbildung der Brüder sorgen. Die Lektoren wurden in Paris ausgebildet. Das Kapitel übernahm auch für die Konvente die volle regula apostolica, d. h. nicht nur die Wanderprediger, sondern auch die Konvente mussten vom Bettel leben; Besitz und feste Einkünfte wurden abgelehnt. Das Generalkapitel von 1221 baute die Verfassung weiter aus und schuf die Provinzen als Zwischenorgan mit einem Prior und einer Vertreterversammlung. Wahrscheinlich verdankt es der Orden der Weite seiner Verfassung, dass es nie eine Abspaltung gegeben hat.

Am 6. August 1221 starb Dominikus in Bologna. Sein Tod hemmte nicht die rasche Ausbreitung des Ordens; denn alle Brüder waren an der Leitung des Ordens beteiligt durch die Wahl der Oberen. Dominikus selbst war bei den großen Entscheidungen vor dem gemeinsamen Beschluss der Brüder zurückgetreten.







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